| Albert Clement | Felix Mendelssohn Bartholdy und der Choral. Teil 1: In den Fußspuren von Johann Sebastian Bach Het ORGEL 104 (2009), nr. 6, xx-xx [Zusammenfassung] |
Bis heute wird dem Umgang von Mendelssohn Bartholdy mit dem lutherischen Choral
nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Bereits in Mendelssohns Jugend entstand
Interesse für Johann Sebastian Bach und - damit unlöslich verbunden – den
lutherischen Choral. Ein markantes Ereignis in diesem Zusammenhang was die
Aufführung von Bachs Matthäus-Passion 1829. Mendelssohn ließ bestimmte Choräle
aus dieser Passion weg und es ist die Frage, ob er das ausschließlich aus
religiösen Gründen tat. Möglicherweise tat er es, um Bachs Passion der Ideenwelt
und dem Erwartungshorizont des Hörers des frühen 19. Jahrhunderts anzupassen.
Durch die Einteilung in Abschnitte und die Betonung der dramatischen Aspekte des
Passionsgeschehens in Bachs Werk wusste er das Publikum zu überzeugen.
Genau wie in Bachs Oeuvre spielt der lutherische Choral auch im Werk
Mendelssohns eine wichtige Rolle. Nicht allein in seinen Orgelwerken sondern
auch in anderen Kompositionen gebraucht Mendelssohn regelmäßig Choräle, die
einem auch in Bachs Oeuvre begegnen. Mindestens so kennzeichnend wie die Wahl
dieser Choräle ist die Art und Weise, wie Mendelssohn kompositorisch damit
umgeht. Daraus spricht nämlich – genau wie bei Bach – ein wirklich
hervorragendes Verständnis der theologischen Hintergründe der Choräle. Das gilt
genauso für die ausgeklügelte Auswahl bestimmter Strophen innerhalb eines
bestimmten Kontextes.

Mendelssohn 12 Jahre durch Carl Begas

Bach-Denkmal Mendelssohn in Leipzig