| Hans Fidom | Orgelmusik – Das Panorama von 2008. (Vortrag auf dem Symposium ‘Pro Organo Pleno’ - 13 Juni 2008) Het ORGEL 104 (2009), nr. 3, 12-19 [Zusammenfassung] |
2008, das Jahr in dem Ewald Kooimann 70 Jahre wurde, hielt die Koninklijke
Vereniging voor Nederlandse Muziekgeschiedenis eine Versammlung zum Thema “Authentizität”.
Hinsichtlich der Auffassungen über “Authentizität” schien man 2008 Veränderungen
in der Orgelkukltur wahrzunehmen, die an das postmoderne Denken anschlossen,
wonach alles mit allem zu mischen ist. “Authentizität” scheint mehr und mehr ein
Begriff zu werden, der sich nicht länger nur auf die Musik an sich beschränkt,
sondern auch auf die Art und Weise, wie wir uns heute der alten Musik nähern,
bezieht: nicht die Eigenheit der Musik sondern die des Musikers steht im
Mittelpunkt. Das Aufstellen von intellektuellen Kriterien für die Musik wird
immer weniger wichtig zu Gunsten der Aufmerksamkeit dafür, was Musik mit dem
Hörer macht. Das Künstlerische scheint also wichtiger zu werden als das
Berechenbare. In diesem Sinne kann man sagen, dass ein Wechsel des Blickwinkels
stattfindet, wobei man aus einer anderen Perspektive die selbe Sache betrachtet,
aber doch andere Dinge sieht. An der Hand von sieben Beispielen wird illustriert,
dass es in neuer Orgelmusik um den Hörer geht; die Musik besteht nicht um der
Musik sondern um des Hörers Willen.
In der alten Musik ist eine Tendenz wahrzunehmen, in der künstlerische
Authentizität der Ausführenden stets mehr im Mittelpunkt steht auf Kosten von
intellektuellen Fragen darüber, wie Musik ausfgeführt werden muss. Nichts ist so
relativ, wie das Aufführen von Musik eines anderen Menschen, und darum kann man
sich besser selbst zum Chef machen, sobald man auf der Orgelbank sitzt, wie es
Kooimann auch sehr direkt in den Worten zusammenfasste: “Und jetzt ich!”
Link to ‘Body of your dreams’:
http://www.youtube.com/watch?v=W3rhjM4HFnM
Musikbeispiele: